Wildnisbewohner des Monats Dezember

14. Dezember 2018, Pia Ditscher - Hannover

Der "Geistliche" unter den Vögeln...


Der Gimpel ist unser Wildnisbewohner des Monats Dezember. Er hat eine auffällig rote Brustfärbung und eine schwarze „Kappe“ – daher kommt auch seiner zweiter Name: Dompfaff. Gimpel-Weibchen sind mit ihrer hellgrau gefärbten Brust weniger auffällig, aber nicht minder schön anzusehen. Gimpel fühlen sich im Sommer wie auch im Winter bei uns sehr wohl. Sie ernähren sich vegetarisch und dürften sich auch besonders über unsere Projektflächen freuen, denn dort bleiben Samenstände auch im Winter stehen und helfen den kleinen „Geistlichen“ bei der Nahrungssuche. Auch an Futterhäuschen findet man sie daher häufig. Früher wurden die schönen Gimpel auch häufig als Käfigvogel gehalten, und das, obwohl sie als Symbol für Ungeschicklichkeit und Dummheit galten. In Gottlieb Tobias Wilhelms (passenderweise protestantischer Pfarrer und Schriftsteller mit Schwerpunkt Naturgeschichte)  „Unterhaltungen aus der Naturgeschichte“ von 1795 findet sich eine mögliche Erklärung für diese Zuschreibung: „Wahrscheinlich darum, weil sie so einfältig dem Lockvogel nachgehen, wurde der Nahme Gimpel zum Schimpfwort der Dummheit“. Dabei ist der Gimpel ein schlauer Vogel, der schnell lernt.

Der Gimpel sing relativ leise, sein „djü pjühh“ gibt es zum Anhören hier:
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stunde-der-gartenvoegel/vogelportraets/03636.html#

Neben seinem Zweitnamen „Dompfaff“ weist der zierliche Vogel noch einen anderen Bezug zur Welt der Religion auf: Gimpel finden sich auch auf künstlerischen Darstellungen zur Bibel, unter anderem auf dem Gemälde „Paradiesdarstellung mit Sündenfall“ von Peter Paul Rubens und Jan Brueghel dem Älteren: 
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Jan_Brueghel_de_Oude_en_Peter_Paul_Rubens_-_Het_aards_paradijs_met_de_zondeval_van_Adam_en_Eva.jpg 

Übrigens: Der Gimpel ziert auch unsere Weihnachtspostkarte, die unter den Bildern zu diesem Beitrag zu sehen ist. Wer ein Exemplar zugeschickt bekommen möchte, kann uns gerne schreiben!


Wildnisbewohner des Monats November

08. November 2018, Pia Ditscher - Hannover

Der Schöne mit den blauen Augen

 

Unser Wildnisbewohner des Monats November hat ein unverwechselbares Erscheinungsbild: Die großen „Augenflecken“ auf seinen Flügeln geben ihm seinen Namen, sind aber auch sehr nützlich: Denn wenn das Tagpfauenauge Feinde abwehren möchte, klappt es seine Flügel plötzlich auf und „erschreckt“ den potentiellen Fressfeind durch das Erscheinen der großen „Augen“. Das Tagpfauenauge mag wohl eher ein typischer Sommerbewohner der Wildnis sein – aber man kann den schönen Falter das ganze Jahr über antreffen. Die Falter überwintern gerne in Höhlen, Kellern oder auf Dachböden und fliegen bei wärmeren Temperaturen zur Nahrungssuche aus. Im Frühjahr steuern sie dann die ersten Blüten an, zum Beispiel von der Sal-Weide, dem Weißdorn oder von Löwenzahn. Am liebsten besuchen sie allerdings violette Blüten wie Astern, Fetthenne oder Rotklee. Auch Fallobst fressen die Falter gerne, während die Raupen sich fast ausschließlich von Brennnesseln an sonnigen, aber luftfeuchten Standorten ernähren. Der schöne Schmetterling kommt überall im Offenland vor, auch an Waldrändern und in Städten ist er häufig anzutreffen.  

Wenn sich ein Tagpfauenauge nach dem Sommer zum Überwintern in Häuser oder Wohnungen „verirrt“, ist das nicht gut für ihn – denn es ist dort viel zu warm und er kommt nicht ausreichend zur Ruhe, um Energie zu sparen und dann im folgenden Frühjahr noch Nachkommen zu zeugen. Tatsächlich kann es helfen, den Schmetterling vorübergehend einzufangen und in den Kühlschrank zu bringen, bis er sich beruhigt hat, um dann ein angemessenes kühles Überwinterungsquartier für ihn zu finden. Den Falter zu füttern, wäre hingegen kontraproduktiv. Weitere Infos, wie man einem verirrten Tagpfauenauge im Winter gute Hilfe leisten kann, gibt es hier: https://www.schmetterlingsforum.de/eb/entry/Berichte/ueberwinternder-schmetterling-in-der-wohnung.html


Wildnisbewohnerin des Monats September

12. September 2018, Pia Ditscher - Frankfurt

Die goldgelben Farbtupfer der Stadtwildnis

Von Indra Starke-Ottich

In dieser Jahreszeit sieht man sie fast überall: die Kanadische Goldrute. Sie findet sich in Blumensträußen, vor allem aber auf Brachflächen und an vielen Stellen in unseren Wildnis-Gebieten. Wie der Name schon sagt, stammt sie aus Nord-Amerika. Wegen der attraktiven gelben Blüten wurde sie bereits Mitte des 17. Jahrhunderts als Zierpflanze eingeführt. Aber erst rund 200 Jahre später gibt es erste Hinweise darauf, dass die Art verwildert ist, sich also selbst ausgesät hat und außerhalb der vom Menschen kultivierten Flächen vorgekommen ist.

Wildnisbewohnerin des Monats September


Gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.