Was hat Soziologie mit Wildnis zu tun?

Wie wird Wildnis in der Stadt vom Menschen wahrgenommen? Akzeptieren die Nutzer und Anwohner von Grünflächen, wenn die Flächen durch das Zulassen von Eigendynamik verwildern? Und was sollte unternommen werden, um die Menschen für mehr Wildnis in der Stadt zu begeistern?

Mit derartigen Fragen beschäftigt sich die sozialwissenschaftliche Begleitforschung im Vorhaben „Städte wagen Wildnis“.

Im Rahmen von Beobachtungen und Befragungen kann festgestellt werden, wie sich die Nutzergruppen der einzelnen Flächen zusammensetzen. Hierbei können beispielweise die Aktivitäten (z. B. Spazieren, Spielen), aber auch die besonders frequentierten Bereiche auf den Flächen identifiziert werden. Durch die wiederholten Erhebungen im Projektverlauf ist es möglich, Veränderungen im Nutzungsverhalten und in der Nutzungsintensität festzustellen.


Was wird gemacht?

Die vom Institut für Umweltplanung der Leibniz Universität Hannover durchgeführten Untersuchungen erfolgen als sogenannte Längsschnittstudie über die gesamte Projektlaufzeit, das heißt, es finden wiederholt Datenerhebungen auf den Wildnis-Flächen in den drei Projektstädten Hannover, Dessau-Roßlau und Frankfurt am Main statt.

Den Schwerpunkt der sozialwissenschaftlichen Begleitforschung stellen regelmäßige Nutzer- und Anwohnerbefragungen in den drei Städten dar. Hierbei sind die Wahrnehmung und die Akzeptanz der Bevölkerung für die Wildnis-Entwicklung von besonderem Interesse. Mit Hilfe von Fragebögen werden unter anderem Daten darüber erhoben, was die Menschen mit dem Begriff „Wildnis“ verbinden und welche Einstellungen sie zu den Entwicklungsmaßnahmen haben.

Hierbei wird auch der Frage nachgegangen, welche natürlichen Entwicklungsprozesse auf den Flächen akzeptiert werden und welche Vorbehalte gegenüber Wildnis in der Stadt bestehen. Die Befragungen der Flächennutzer finden vor Ort in Form von Interviews statt. Wo Wildnis-Flächen an Wohnbebauung angrenzen, werden zusätzlich Anwohnerbefragungen durchgeführt. Hierzu werden Fragebögen zum Selbstausfüllen verteilt und später ausgewertet.

Die sozialwissenschaftliche Begleitforschung liefert somit wertvolle Erkenntnisse darüber, welche Zielgruppen mit Umweltbildungsangeboten auf den Wildnis-Flächen angesprochen werden sollten. Zudem sind Rückschlüsse möglich, welche Aspekte rund um das Thema „Wildnis in der Stadt“ besonders im Projekt berücksichtigt werden sollten, um die Nutzbarkeit und Erlebbarkeit für die Stadtbevölkerung zu ermöglichen sowie die Ziele der biologischen Vielfalt zu erreichen.


Gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.