Warum Wildnis-Forschung?

Durch die Wildnis-Entwicklung auf städtischen Grünflächen werden sich die Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen verändern. Wenn ein bislang einheitlich kurz gemähter Rasen nun ungestört wachsen kann, kommen nicht nur Gräser, sondern auch andere Pflanzen mit unterschiedlichen Wuchs- und Blütenformen zur Entwicklung.

Dadurch verbessert sich zum Beispiel das Nahrungsangebot für Schmetterlinge und Wildbienen. Sich ausbreitende Gebüsche bieten verschiedenen Vogelarten Nistmöglichkeiten. Im Laufe der Zeit werden neue Tier- und Pflanzenarten auftauchen, während sich andere zurückziehen.

Zur Bewertung dieser Veränderungen wird die Vielfalt der Arten und ihrer Lebensräume in den kommenden Jahren regelmäßig auf den Wildnis-Flächen erfasst.


Was wird gemacht?

Für die Erfassung der Vögel wird im Frühjahr die Zeit der höchsten Gesangsaktivität genutzt. Vor allem in der Morgendämmerung können so die meisten Arten an ihren Gesängen erkannt werden. Aber auch im Winter beobachten wir, welche Vogelarten auf den Wildnis-Flächen nach Nahrung suchen.

Mit Hilfe eines Detektors können die Ultraschallrufe von Fledermäusen hörbar gemacht werden. Damit werden wir die Jagdaktivität in warmen Sommernächten beobachten.

Auch die Männchen der Heuschrecken erzeugen im Sommer arttypische „Gesänge“, die zur Bestimmung der Art herangezogen werden. Zusätzlich werden wir Heuschrecken mit dem Kescher fangen und nach der Bestimmung wieder frei lassen.

Ähnliches gilt für Wildbienen und Schmetterlinge, die zur Bestimmung ebenfalls mit dem Kescher gefangen und anschließend an Ort und Stelle wieder freigelassen werden. Für diese Artengruppen werden insbesondere Bereiche mit vielen Blüten abgesucht, da dort eine hohe Aktivität bei der Nahrungssuche zu erwarten ist.

In den Gewässern, die in einzelnen Projektflächen liegen, werden die dort lebenden Amphibien und Libellen erfasst. Dafür wird ab Ende Februar der Laich von Fröschen und Kröten gezählt und im Verlauf des Jahres auch die ausgewachsenen Tiere kartiert. Libellen werden zur Bestimmung der Art mit dem Kescher gefangen, sofern eine Sichtbeobachtung nicht für die Bestimmung ausreicht.

Um herauszufinden, welche Pflanzenarten auf den Wildnis-Flächen wachsen, werden die Flächen gründlich abgesucht und alle vorkommenden Arten erfasst. Da einige Pflanzenarten bereits zeitig im Jahr blühen (z.B. Schneeglöckchen oder Buschwindröschen), werden wir damit schon im Frühjahr beginnen.

Zusätzlich legen wir kleine Dauerbeobachtungsflächen an, die jedes Jahr wieder untersucht werden, um die Entwicklung der Vegetation zu dokumentieren (etwa die Wuchshöhe von Pflanzen oder die Bodenbedeckung).

Durch die jährliche Wiederholung der Untersuchungen kann festgestellt werden, wie sich die Biodiversität auf den unterschiedlichen Maßnahmenflächen verändert und es werden Empfehlungen für die künftige Vorgehensweise erarbeitet.


Gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.