Aufgepasst: Eure Meinung zählt! Einblick in die sozialwissenschaftliche Forschung

Avatar of admin admin - 12. März 2020 - Hannover

Die sozialwissenschaftliche Begleitforschung in unserem Projekt hat zur Aufgabe, über die Laufzeit von fünf Jahren die Nutzungen der Projektflächen sowie die Wahrnehmung und Akzeptanz von städtischer Wildnis in den drei Projektstädten Dessau-Roßlau, Frankfurt am Main und Hannover zu untersuchen. Mal ganz sozialwissenschaftlich ausgedrückt: Sie wird im Verlauf des Projekts mit wiederholter Datenerhebung in verschiedenen Jahren als Längsschnittstudie durchgeführt.

Dabei hat die Begleitforschung für unser Projekt drei zentrale Funktionen: Zunächst die Erkenntnisfunktion, die erfragt: Wie ist der jeweilige Stand der Dinge im Prozessverlauf?
Die Kontrollfunktion wiederum testet, wie hoch der Grad der Zielerreichung ist: Was verläuft erfolgreich, was nicht? Schließlich gibt es noch die Optimierungsfunktion - hierbei dreht sich alles um die Frage "Was kann wie verbessert werden?".

Die Zielgruppen der Untersuchungen sind sowohl die Nutzerinnen und Nutzer als auch die Anwohnerinnen und Anwohner der Projektflächen. Auch in diesem Jahr werden in den Monaten von April bis Juli Befragungen auf den Projektflächen als Face-to-face-Interviews durchgeführt und die Nachbarschaft der Stadtwildnis durch Fragebögen zum Selbstausfüllen einbezogen.

Von den Ergebnissen profitieren letztendlich alle: Die städtischen Partner können daraus gegebenenfalls neue Maßnahmen ableiten, die wiederum Menschen vor Ort zugutekommen und somit einen zukünftigen Einklang zwischen städtischer Wildnis und sozialer Nutzung sicherstellen.

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4 Kommentare

Admin

11. Mai 2020

Hallo Ostseestefan,

 

die hannoverschen Projektflächen konnten Sie ja nun anhand der aktualisierten Karte ausfindig machen. „Struthofs Kamp“ und „Rampenstraße“ sollten dort eigentlich auch dargestellt sein. Unsere ursprünglichen Kleingartenflächen konnten leider nicht im Projekt bleiben, da sie weiterhin als Gartenland erhalten bleiben sollten und somit nicht in Wildnis umgewandelt werden können. Hinzugekommen ist dafür eine größere, schon länger größtenteils brachliegende Kleingartenfläche in Vinnhorst. Die Fläche ist allerdings noch nicht endgültig ins Projekt übertragen worden und taucht deswegen auch nicht in der Karte auf. Die beiden Waldlichtungen in der Eilenriede liegen örtlich sehr nah beieinander, weswegen wir sie der Einfachheit halber meist als eine Fläche zählen. Tatsächlich befanden sich dort früher der Betriebshof und der dazugehörige Kompostplatz.

Die Auswahl der Flächen mag auf den ersten Blick ungünstig erscheinen, da viele Gebiete sehr klein und/oder schmal sind und auch noch straßennah liegen. Doch genau um diese Problematik soll es ja bei „Städte wagen Wildnis“ gehen. Die Ausgangsfrage ist: „Lassen sich Natur und Mensch in urbaner Umgebung unter einen Hut bekommen?“ Interessant ist dabei im städtischen Umfeld, wie klein Wildnis eigentlich sein darf. Denn es ist nun mal Realität (und nicht nur in Hannover), dass der Natur in Städten bisher wenig Platz eingeräumt wurde. Das macht es umso wichtiger, mit diesen kleinen Flächen möglichst sinnvoll umzugehen.

Eine absolute Quadratmeterzahl ist nicht zu errechnen und würde auch keinerlei Aussage für unseren Projektansatz bringen. Wichtig ist das funktionierende Ineinandergreifen der unterschiedlichen Maßnahmen, die jederzeit spontan anpassbar sein müssen (wenn z. B. wieder ein Hitzesommer herrscht). In regelmäßigen Abständen wird die Artenzusammensetzung auf den Flächen überprüft und die Maßnahmen entsprechend angepasst.

„Freie dauerhafte Verwilderung“ ist auf städtischen Flächen kaum möglich und in unserem Fall auch nicht das Ziel. Im Vordergrund steht die Entwicklung der Artenvielfalt, wofür ein Mosaik an unterschiedlichen Flächen und Maßnahmen notwendig ist. Angestrebt wird eine Kombination von gezieltem Artenschutz und Naherholung.


ostseefan

09. April 2020

Etikettenschwindel?

Es waren 11 Projektflächen in Hannover der Presse gemeldet worden – Ihr Zitat: Da unsere Projektflächen teils von sehr unterschiedlichem Charaktern sind, wurden sie zur besseren Unterscheidung zu folgenden Flächentypen zusammengefasst:

Wilde Inseln,

Wilde Gärten,

Postindustrielle Wildnis,

Grünverbindungen,

Wilde Wälder.

Aus Ihrer Karte gehen nunmehr hervor,

a) Eine geteilte Grünverbindung an der Fösse beginnend an der Carlo-Schmid-Allee nach stadtauswärts

b) Der an der Petermannstr. stadteinwärts beginnende lange Grünzug „Aufstieg zum „Blauen Wunder“(Alter Friedhof) auf dem Lindener Berg“

c) Der vom Weidetorkreisel abzweigende Radweg zwischen Messeschnellweg und Weidetor- bzw. Schierholzstraße bis Mittellandkanal -eine extrem schmale Grünverbindung mit breitem Radweg.

d) Der von der Kirchhorster Str. abzweigende Radweg zwischen Messeschnellweg und Stadtfriedhof Lahe, ebenfalls eine teils sehr schmale Grünverbindung.

e) Sehr kleine Dreiecksfläche an der Garkenburgstraße/ Haltestelle der Linie 8: „Am Mittelfelde“

f) Eine schlauchförmige Waldparzelle der Eilenriede-Süd an der Zuschlagstraße und 2 kleine Waldlichtungen nahe Bernadotteallee (wohl teilweise der ehemalige Betriebshof).

 

Es fehlt offenbar die „Wilde Insel“ Struthofs Kamp, die „postindustrielle Wildnis“ Rampenstr. sowie mindestens irgendeine Projektfläche „Wilde Gärten“. Nach meiner Einschätzung fehlen also fünf Projektflächen (!) und -wenn überhaupt- hat größenmäßig nur der lange Schlauch an der Zuschlagstr. als "Wilder Wald" mit Abstrichen eine ausreichende Zukunftsperspektive als "Stadtwildnis". Fragen:

a) Wie groß sind denn die bisher offen gelegten Wildnisflächen jeweils absolut (m2) und welche Anteile von jeweils der absoluten Fläche dürfen davon dort jeweils wirklich frei und dauerhaft verwildern (gibt es zu jeder Fläche einen Steckbrief, den man beziehen kann - wenn ja Bitte um Übermittlung)?

b) Wann kommen die noch fehlenden 5 Projektflächen hinzu und welche Flächengröße werden diese jeweils absolut erhalten?


ostseefan

21. März 2020

zählt meine meinung wirklich?

Ich weiß nicht, wie man ein stadtwildnis-projekt bewerten soll, wenn nichts über genaue lage, genaue größe, genauer nutzungszustand bei Projektbeginn und den grad der zugelassenen bzw. angestrebten wildnismaxime bekannt gemacht wird. wenn irgendwo städtisches kulturland verwildern darf, muss das noch lange kein gewinn für mensch und natur darstellen. insbesondere wegen des frequentierungsdrucks der städter wird jede innerstädtische wildns doch kaum zur wirklich als wertvoll erachteten entfaltung gelangen. also flieht trotzdem jeder städter samt kindern aus den kernstädten und sucht die heile welt mit auto oder flugzeug, um sie auch dort zu (zer-)stören, wo er sie entdeckt. Und in einer Großstadt wie Hannover tritt die Natur sowieso auf der Stelle, weil die städtischen Bedenkenträger immer einen Weg finden, eine aufkeimende stadtwildnis zu reglementieren, damit sich daraus ja niemals am ende ein wald einstellt, der dann nicht mehr ohne weiteres plattgemacht werden kann. sukzession, die nicht ungesteuert zugelassen wird, kann kein normal denkender bürger als wildnis empfinden. klugerweise erfährt man ja gar nicht erst die genaue lage der projektflächen in hannover. dann braucht man sich gott sei dank gar nicht erst ärgern, wie die betreffende fläche durch schafe oder rinder niedergefressen wird, durch mountainbiker und hundebesitzer überfrequentiert wird oder zur typischen kippe verkommt, weil menschen ihren müll so gerne in nutzungsfreien flächen entsorgen. diese kippen erzeugen zwar auch einen wilden anblick, aber zugemüllte flächen taugen dann nicht mal als lost places in der stadt. immerhin sollen in hannover ja auch 2 waldflächen als stadtwildnis auserkoren worden sein. egal, wo sie sich befinden und wie groß sie sind, kann sich dort vielleicht so etwas wie eine naturwaldparzelle light entwickeln, wenn die fläche nur versteckt genug und etwas abseits der stark begangenen besucherwege liegt.

was kann wie verbessert werden? tja, das ist in der tat die gretchenfrage! denn wenn eine fläche an attraktivität gewinnt, wird sie in urbanen räumen schnell zu tode geliebt. also muss sie so versteckt liegen, dass sie kein normalsterblicher ohne weiteres erreichen kann. rückfrage: hat sich seit ausweisung der fraglichen parzellen überhaupt etwas in richtung wildnis bewegt - ich habe zweifel (ohne flächenlage kann ich mir aber ohnehin kein bild über scheitern oder erfolg machen!). als radfahrer bin ich vermutlich in hannover schon zigmal einigen der flächen nahe gekommen ohne es zu wissen...!


Admin

12. Juli 2020

Guten Tag Ostseestefan, 

vielen Dank zunächst einmal für Ihren Kommentar zu unserem Artikel!
Die Flächen in den Städten können Sie unter den jeweiligen Städten einsehen, für Hannover also hier.
Aufgrund eines technischen Fehlers konnten die Flächenmarkierungen hier in den vergangenen Wochen nicht angezeigt werden, weshalb wir uns noch einmal insbesondere für diesen Hinweis bedanken, denn nun haben wir diesen Fehler behoben.

Ihre weiteren Kritikpunkte sind natürlich nicht unberechtigt, auch wir müssen uns im Zuge des Projektes immer wieder mit genau diesen Aspekten auseinandersetzen. Dennoch halten wir es für richtig und wichtig, "urbane Wildnis" soweit wie möglich zu fördern und den Bürgerinnen und Bürgern dieses Konzept nahezubringen. Auch, wenn selbstverständlich im Stadtbereich keine völlig ungesteuerte Verwilderung möglich ist und wir uns daher im Projekt auf den Begriff der "urbanen Wildnis" verständigt haben, kann hierdurch dennoch ein neuer Erlebniswert geschaffen und nicht nur den Flächennutzerinnen und -nutzern, sondern auch weiteren Stakeholden wie politischen Entscheidungsträgern und Kommunen die Wertigkeit von freierer Sukzession vermittelt werden. So ist die Etablierung von städtischer Wildnis sicherlich zunächst ein kleiner Schritt, aber braucht es nicht immer genau diesen, um dann auch im Großen besser voranschreiten zu können?

Melden Sie sich gerne bei weiteren Fragen und Anregungen.

Mit vielen Grüßen, 

Ihr Team von "Städte wagen Wildnis"



Gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.